(Nicht) Schlaflos in Seattle
Wer kennt sie nicht? Die Liebesschnulzen-Komödie mit Tom Hanks und Meg Ryan aus dem Jahre 1993, der mehrere Oskars und Golden Globs gewonnen hat. Also wollte ich unbedingt nach Seattle. Aber bevor es los ging, hatte ich den Tag noch in San Francisco verbracht. Am Union Square gab es ein kostenloses Konzert, die Sonne schien und die Menschen tanzten. Später ging ich zum Hotel, wo ich mein Gepäck aufbewahrt hatte. Ich vertrieb mir an der Bar noch ein wenig die Zeit bei lecker Bier. Dann machte ich am Abend um 20:45 Uhr mit dem Bus auf dem Weg über die Bay Bridge von San Francisco nach Emeryville. Von dort fuhr der Zug über Nacht dann Richtung Seattle.
In Emeryville wollte ich wieder meinen grossen Koffer einchecken. Als ich ihn auf die Waage stellen musste, war er 52,4lbs schwer. Ich also was rausgenommen und den Koffer wieder gewogen. 50,35lbs. Der gute Mann hinter der Scheibe bestand darauf, dass es nicht mehr als 50 sein dürfen. Also musste ich erneut etwas aus dem Koffer nehmen, was in etwa 15 gramm (!) wog. Ja genau, richtig gelesen. Was in L.A. kein Problem war, war es aber in Emeryville. Okay, dann habe ich meine Kamera aus dem Koffer genommen und war dann bei 48,6lbs. Um 21:50 Uhr konnte ich dann in den Zug einsteigen und mich für die Nacht parat machen. Nackenkissen allez. Ich hatte für die Strecke einen Sitzplatz mit viel Beinfreiheit über meinen Railpass gebucht. Die 22 Stunden waren für mich schon hart an der Grenze 🙂



Den Tag über konnte ich wieder die wunderbare Landschaft betrachten. Am Morgen gegen 9 Uhr allerdings, hatten wir in dem Ort Chemult einen nicht eingeplanten längeren Aufenthalt. Es gab auf oder neben der Strecke einen Brand und man musste abklären, in wiefern der Zug da durch konnte. So blieben wir ca. 45 Minuten dort, bevor es dann in die Mountains ging. Der Zug fuhr dort sehr langsam durch. Ich glaube, da ist eine Schnecke schneller unterwegs gewesen 😉 wenn man aber die Abhänge runtergeschaut hat, war ich froh das es nur so langsam vorwärts ging. Ich weiss nicht wie hoch der Zug war, aber es waren wirklich extrem steile Hänge. Kein Netz, kein Geländer, kein doppelter Boden! Aber nach den Mountains ging es dann wieder in einem etwas schnellerem Tempo Richtung Seattle. Mitterweile verstehe ich auch vollendes, was die Barkepperin in San Francisco meinte mit: Du fährst im Sommer in San Francisco los und kommst im Herbst in Seattle an 🙂 Kurz vor Seattle, aber auch schon zuvor in Portland und in anderen Grossstädten, konnte ich Homless-Quartiere entlang der Zugstrecke beobachten. Teilweise sind kleine Zelt-Dörfer entstanden.
Durch die Verspätung in Chemult, kam ich ca. mit 30 Minuten Verpätung an. Dummerweise war genau an dem Tag ein Fussballspiel im Lumen Field, welches sich direkt am Bahnhof befand. Offenbar war das Stadion Rappelvoll und es gab ein regelrechtes Verkehrschaos. Da das Hotel zu Fuss etwa 2,2 Meilen entfernt war und die Strassen ziemlich uneben, wollte ich nicht mit 2 Koffern laufen. So bin ich ein Stück vom Bahnhof gelaufen und habe mir dann ein UBER bestellt. Nach dem ich eingecheckt hatte, bin ich als erstes auf die Dachterrasse. Von dort hatte man einen super schönen Blick auf die Stadt.



Am nächsten Tag hatte ich mir ein Ticket für den Space Needle gekauft. Dies war ein Kombi-Ticket und konnte somit 2x am gleichen Tag die Plattform besuchen. So bin ich am Vormittag und dann zum Sonnenuntergang hochgefahren. Zwischen den beiden Fahrten habe ich mir die Stadt angeschaut. Sehr schön. Auch hier gibt es Strassen, die rauf und runter gehen. Aber nicht so krass wie in San Francisco. Aber teilweise schon recht anstrengend. So wollte ich dann mit dem Bus zurückfahren. Allerdings konnte man nur im Bus beim Fahrer eine Karte kaufen. Und dieses ausschliesslich mit Cash. Ich hatte aber nur einen 5$ Schein und der Busfahrer konnte nicht wechseln. So nahm er mich dann gratis mit. Ein sehr netter Mensch. Erlebt man auch nicht oft. Am Abend bin ich dann zur Sonnenuntergangszeit wieder hoch auf den Space Needle. Mit einem Bier hatte ich mir einen super Platz ausgesucht und auf den Sunset gewartet. Am Abend war aber nicht all zu viel los. Am Vormittag tummelten sich dort die Menschen. Ich bin bis zur Dunkelheit geblieben. Der Ausblick war sensationell. Egal ob am Tag oder bei Nacht.
Der 2. Tag in Seattle begann mit der Champions-League. Am Handy konnte ich wieder via VPN auf mein Abo zugreifen und das Spiel schauen. Hach kerr wat schön dieser Auftaktsieg gegen die Dänen 😉 Da freue ich mich schon auf das Rückspiel im November. Den Flug hatte ich direkt nach der Terminbekanntgabe gebucht. Nach dem Spiel war wieder laufen angesagt. Vom Space Center bin ich bis zum Lumen Field. Es gab dort ein Restaurant, die richtig gute Steaks hatten. Nach dem Essen ging es am Wasser entlang zurück zum Hotel. Ich bummelte an den Pier’s entlang und das ein oder andere Souvenier wurde dann auch noch gekauft. So langsam aber sicher wurde ich recht müde, so dass ich dann ins Hotel zurück bin. Am Abend habe ich mir noch mal den Sonnenuntergang von der Rooftop-Bar im Hotel angesehen.



Mein letzter Tag in Seattle war nicht mehr so spektakulär. Ich hatte meine Koffer im Hotel zur Aufbewahrung gegeben und bin dann noch mal los. Ich hatte mir zum Mittag eine Kleinigkeit gekauft und wollte unten am Wasser mein Mittag zu mir nehmen. Da war ein schöner schattiger Platz unter einem Baum, wo man eine sehr schöne Aussicht aufs Wasser hatte. Allerdings machte mir eine Krähe einen Strich durch die Rechnung. Sie war mir ein wenig zu aggro und habe mich dann etwas weiter oben auf einer Bank positioniert. Dort war auch auch sehr schöner Ausblick. Ich bin dann wieder zurück zum Hotel und habe ein UBER zum Bahnhof bestellt. Um 4:55pm fuhr mein Zug dann nach Chicago. Diese Fahrt ist einer der längsten, die ich jemals gemacht habe. 45 Stunden und 50 Minuten. Halleluja…. 🙂


