USA Reise

Chicago zum zweiten

Von Seattle stand nun die längste Zugreise an, die ich bisher überhaupt unternommen habe. 45 Stunden und 50 Minuten. Puuuuh… aber da ich ein Schlafabteil gebucht hatte, war das dann nicht ganz so schlimm. In der Nacht ein Bett, am Tag ein kleiner Sitzraum. Zudem wurde ich dreimal am Tag mit Essen versorgt. Könnte also schlimmer sein 🙂 Nervig war nur, dass ich in Spokane mitten in der Nacht das Abteil wechseln musste. Warum auch immer. Da ich mich noch mit David in Chicago treffen wollte, hatte ich meinen Ursprünglichen Plan, einen Stopp in Minneapolis zu machen, gekippt.



Dieses mal fuhr der Zug am späten Nachmittag los. So konnte ich noch eine kleine Runde durch Seattle drehen, bevor es auf die 2-tages-Tour ging. Am Bahnhof wollte ich zuerst noch fix den Koffer einchecken. Als ich ihn auf die Waage gestellt hatte, war ich mega froh. 45,3lbs. Wow…. kam mir aber im zweiten Moment etwas merkwürdig vor. Okay, der Koffer stand nicht richtig drauf. Hatte ihn dann richtig positioniert und auf einmal 54,7lbs *kreisch* Sofort hatte ich zu der Dame hinter dem Schalter gesagt, dass das nicht möglich sein kann. Sie kuckte mich mit einer ernsten Miene an. Ich schon kurz vorm durchdrehen. Sie erzählte irgendwas mit Push-up, ich an dem Koffer gezuppelt und schwupp war ich bei 48,4lbs. Puuuuuh. Auf einmal hielt es die Dame hinter der Scheibe nicht mehr aus und fing voll an zu lachen. Sie erklärte mir, dass sie auf die Waage gedrückt hat. Wollte mich veräppeln. Was für ein Scherzkeks 😉 Mit einem kleinen Schrecken machte ich mich auf den Weg. Erkundete noch mal alles rund um den Bahnhof und hatte mir das Lumen Field etwas genauer angeschaut. Da war ein Fanshop, der geöffnet hatte. Dort verkauften sie Fanartikel sowohl für Sounders FC (Fussball) und die Seahawks (Football). Bin dann dort mal rein. Wollte wissen, ob die vielleicht Quitsche-Enten verkaufen. Aber auch hier hatte ich kein Glück. Bisher habe ich nur eine bekommen, und das war die aus dem Hotel in San Francisco.



Um 4:55pm fuhr mein Zug dann endlich los. Bereits kurz nach der Abfahrt kam der persönliche Attendant und hat noch mal alles erklärt und ich bekam die Reservierung für das Diner. Beim Essen konnte man einen sehr schönen Sonnenuntergang beobachten. War ja schon irgendwie ein bissken Romantisch 😉 Gegen 11:30pm erreichten wir Spokane und ich musste das Abteil wechseln. Es wurden noch mal 4 Waggons angehangen. Und dort war dann mein Schlafplatz, der vom Attendant vorbereitet wurde. Nun konnte ich mich endlich hinlegen und schlummern. Das wackeln vom Zug hat extrem beruhigt. Quasi wie ein Baby im Kinderwagen 🙂

Am nächsten Morgen war dann Frühstück angesagt. Sie haben einiges zur Auswahl gehabt. In der Touriklasse bekommt man meist nur eine matschige Pampe, die in der Mikro aufgewärmt wird. Im Sleepingcar ist es da schon um längen besser. Frisches Obst und Toast, Orangensaft, Kaffee, Müsli, Rührei, Speck…. So kann man den Tag gut beginnen. Die Landschaft war auch hier wieder sehr eindrucksvoll. Die Reise ging durch 5 Bundesstaaten. Und lustige Haltestellen. Glasgow, Malta… Und nein, der Zug hat sich nicht verfahren 😉 Die 2. Nacht in meinem Abteil war dann ehr so semi gut. Irgendwie konnte ich nicht richtig schlafen, so dass ich recht k.o. war. Am Morgen um 8:33 Uhr kam ich dann in St. Paul – Minneapolis an. Hier musste ich erneut das Abteil wechseln. Ursprünglich hatte ich ja mein Ticket nur bis hier. Da ich aber meine Pläne gekippt hatte, buchte ich über meinen Railpass einen Sitzplatz bis Chicago. 09 Stunden waren da ganz okay gewesen. Chicago wurde frühzeitig erreicht.



Nach dem ich im Hotel eingecheckt hatte, habe ich mich mit David getroffen. Wir sind dann zum Hafen gelaufen und haben dort noch was gefuttert, über unsere Reise ausgetauscht und Pläne für den nächsten Tag geschmiedet. Da wir beide ziemlich im Eimer waren – er ist auch erst an dem Tag angekommen – sind wir relativ schnell jeder in sein Bettchen verschwunden. Obwohl ich ausschlafen wollte, war ich dann doch wieder gegen 8:30 wach. Laptop eingeschalten, VPN geöffnet und Fussball gekuckt. Hätte ich auch sein lassen können. Wie kann man gegen die Dosen bloss 3-0 verlieren? Himmel Arsch und Zwirn… So lag dann meine Hoffnung auf den FC St. Gallen, die dann um 11:00 übertragen wurde. Die erste Halbzeit hatte ich noch geschaut. Dann kam David zu mir und wir sind dann los. Aber auch hier ist uns das Ergebnis nicht entgangen. 2-1 gegen den FC Sion verloren. Die haben sogar ohne Balotelli gespielt. Der machte offenbar lieber Selfies.

Wir sind dann Richtung Riverwalk gelaufen und wollten eine Schiffstour auf dem Chicago River unternehmen. Aber die Preise waren doch recht hoch. Ich hatte auch zuvor schon im Internet geschaut, aber unter 40$ ging da nichts. Wir hatten dann einen angesprochen gehabt, der uns mehrere Routen zur Auswahl gestellt hat. Wir wollten es uns noch mal überlegen und erst einmal zum Mittag essen. In der Nähe der Anlagestelle hatten wir ein kleines Restaurant gefunden, die gute Preise hatten. So schlugen wir uns den Magen voll und sind dann zurück zu dem Bootsmann. Wir haben uns für die Tour auf dem Chicago River und Lake Michigan entschieden. Grossartige Idee. Die Tour war wirklich fantastisch. Und der Erzähler auf dem Schiff war auch offenbar eine kleine Scherzkanone. Alles habe ich zwar nicht verstanden. Aber es tummelten sich einige 49ers, Bears und Giantsfans auf dem Boot. Und er hat die Fans aus San Francisco als Comedy-Show bezeichnet. Als wir wieder an Land waren, hatten wir uns ein UBER bestellt. Wir hatten Tickets für das Fussballspiel Chicago Fires FC gegen Inter Miami FC. Und das Stadion war am Arsch der Welt! Aber ein schnuckeliges Stadion. Wir hatten uns noch eine Kleinigkeit zu futtern geholt und ich wollte noch ein Bier dazu. Meine Güte waren das Monterdosen. 710ml Bierdose. Eine Bierdose. Im Stadion! Die Fires haben mit Shaqiri 3-1 gewonnen. Zurück sollte es dann auch wieder mit UBER oder Lyft gehen. Dummerweise hatte ich nur noch 13% Akku. Wir sind ein Stück weg vom Stadion und dann habe ich ein Uber bestellt. Ständig aber wechselte der Fahrer oder die Fahrt wurde storniert. Und der Akku raste weiter in Richtung «Ich gehe gleich aus» Quasi mit dem letzten Rest (3%) kam dann endlich einer. Puuuuh, Glück gehabt. So sind wir dann zur Union Station gefahren und von da aus zu meinem Hotel. Neben dran war ein Pub, welches bis 2:00am geöffnet hatte. Hurra, also haben wir uns dann da noch 3 Bierchen gegönnt und sind dann jeder in sein Bett gefallen.



Am nächsten Morgen habe ich dann in der Tat etwas länger schlafen können. David hatte Karten für den Saisonauftakt im Football. Chicago Bears vs. San Francisco 49. Aber das Wetter war richtig Scheisse. Es hat wie aus Eimern gegossen. Darum habe ich David dann nicht beneidet 🙂 Ich bin überwiegend bei dem Regen im Hotel geblieben. Eine kurze Schauerpause habe ich genutzt um zur Union Station zu gehen. Ich brauchte ein neues Ticket für die Zugfahrt nach New Orleans. Mein Schlafwagen wurde gecanceled und hatte immer noch kein neues Ticket für die Touriklasse. Lustig war, dass dort am Bahnhof auch alle etwas verwirrt waren. Denn ich bekam in der Zwischenzeit Mails, dass alles okay sei, aber in der App das Ticket storniert wurde…. Very confusing 😉 Letzten Endes bekam ich dann ein neues Ticket und die Differenz zurückerstattet. So machte ich mich dann wieder zurück zum Hotel. Rechtzeitig wieder da gewesen, denn dann kam es erneut richtig runter. Nach dem Game ist David dann zu mir gekommen. So konnte er heiss duschen und wir haben ein Teil seiner Sachen mit dem Fön versucht trocken zu bekommen 🙂 denn er fuhr an dem Tag mit dem Zug nach New York! Wir sind dann runter in die Bar und haben gemeinsam gespeist und noch Bierchen getrunken. Ich sass quasi auf heissen Kohlen. Ich hatte für den Abend kurzfristig noch ein Ticket für das Baseball Spiel Giant vs. Cubs gekauft am Vorabend. Dieses Game stand kurz vor der Absage, auf Grund des starken Regens. Aber um kurz nach 5:00pm kam dann die Meldung, dass die Plane von der Base abgenommen wurde und dass man versucht zu spielen. Ich bin dann noch mal fix ins Zimmer, meine Jacke holen. David ist dann im Zimmer verblieben und später dann zur Union Station. Sein Zug fuhr um 9:30pm. Im Wrigley Field war es recht zugig. Da war ich sehr froh, dass ich noch eine Jacke dabei hatte. Das Bier war ein echter Schnapper und kostete 15$ [/ironie]. Das Spiel ging mit 4-2 an die Giants. Somit konnte San Francisco einen Sieg an diesem Tag einfahren, nachdem sie gegen die Bears verloren hatten.



Am nächsten Tag war das Wetter auch nicht viel besser. Ich checkte gegen 10:30 Uhr im Hotel aus und machte mich auf den Weg zur Union Station. Dort hatte ich den grossen Koffer wieder aufgegeben. Keine Diskussion dieses mal. Leider konnte ich auch nicht sehen, wie schwer dieser war. Aber egal 😉 ich drehte zu erst eine kleine Runde durch die Foodmeile, ehe ich im Souvenirshop gelandet bin. Eigentlich wollte ich ja nichts mehr kaufen. Aber dann fiel mir doch was ins Auge, was ich unbedingt mitnehmen musste 🙂 Ich beschloss draussen etwas essen zu gehen. So führte mich der Weg zu einer Bäckerei, die sehr leckere Sandwiches hatten. Als ich dann zurück zum Bahnhof wollte, kam es wieder von oben nass runter :-/ allerdings war das so Nieselregen. Den finde ich ja fast schlimmer, als wenn es richtig runterkommt. Wieder zurück am Bahnhof, bemerkte ich in der Amtrak App, dass ich 2 Voucher für einen Loungezugang bekommen habe. Wow…. So machte ich mich dann rein. Ist zwar nicht zu vergleichen mit der Business Lounge am Flughafen. Aber hier gibt es auch warme Getränke, Wasser, Cola und Kleinigkeiten zu knabbern. Alkohol allerdings muss man bezahlen. Und ein K-9. Der schnüffelte sich hier durch die Lounge und hat nach Drogen gesucht. Mein Gepäck hat ihn nicht interessiert 😉 Und so vertrieb ich mir dann die Zeit, bis der Zug nach New Orleans kam. Die Fahrt dauert 19 Stunden und 42 Minuten! Hurra, auf in die Geburtsstätte des Jazz!


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