USA Reise

Auf nach New Orleans

Von Chicago ging es nun mit dem Zug Richtung Süden, nach New Orleans. Eigentlich hatte ich ein Schlafplatz gebucht, aber dieser wurde von Seiten der Amtrak gecancled und bekam am Schalter ein neues Ticket für die Coach Class und die Differenz wurde mir dann erstattet. Meine Nachforschungen haben ergeben, dass auf Grund von mehreren Baustellen auf der Strecke, der Zug verkürzt werden musste. Dieser fuhr durch die Änderung auch 1,5 Stunden früher ab, als er eigentlich sollte. Wer jetzt aber denkt, ich sei auch früher angekommen in New Orleans, der irrt. Also machte ich es mir in der Holzklasse gemütlich für die nächsten 20 Stunden.



Big Easy, Crescent City oder einfach nur Nola… viele Spitznamen hat die Stadt im laufe der Zeit bekommen. Einst gegründet im Jahre 1719 vom französisch-Louisiana Gouverneur Jean-Baptiste Le Moyne, liegt diese wunderschöne Stadt am Mississippi River, dem Lake Pontchartrain und in der Nähe zum Golf von Mexico. Sie wurde nach dem damaligen französischen Regenten Philip II., Herzog von Orléans benannt, woraus der Name La Nouvelle Orléans entsprang. Bekannt ist Big City durch seine creolische Küche und Cajun-Gerichte. Nicht zu vergessen auch der Louisiana Voodoo. Er wird bis heute praktiziert und hat aber nichts damit zu tun, in irgendwelche Puppen Nadeln zu stechen um so dem «Feind» Schmerzen zu zufügen. Vielmehr wird ein mysteriöses und spirituelles Glaubenssystem angewandt. Und natürlich ist Nola auch die Geburtsstätte des Jazzes.

Und so ging es dann am frühen Abend in Chicago los. Passend auch der Zugname «City of New Orleans». Ich hatte einen Sitzplatz auf der unteren Ebene bekommen. So hatte ich dann mal eine andere Sicht auf Amerika, nicht nur immer von oben 🙂 Doch schon bald überfiel mich die Müdigkeit und machte es mir in dem breiten Sitz bequem. Ich hatte im «Fanshop» der Amtrak an Board noch eine Decke gekauft. Es ist zwar sehr warm in den USA, aber in der Nacht ist es in den Zügen doch sehr kalt. So kuschelte ich mich in die Decke und träumte schon von gemütlichen Jazzabende. In Memphis hatten wir einen längeren Halt, der sich aber noch mal um mehr als eine Stunde zusätzlich verlängert hat. Auf Grund der Baustellen, musste der Zug eine Pause einlegen. Und so fuhr der Zug mit 1,5 Stunden Verspätung dann weiter nach New Orleans.



In der Crescent City angekommen – der Name leitet sich von dem Sichelförmigen Stadtumriss ab – musste ich noch recht lange auf das Gepäck warten. Hier gab es kein Baggage Claim, sondern die Koffer wurden einfach ausgeladen, hingestellt und jeder nimmt sein Gepäck mit. Da ich nur noch schnell unter die Dusche wollte, bin ich mit UBER zum Hotel. Das war eine sehr gute Entscheidung. Denn die Gehwege sind sehr holprig. Als ich dann im Hotel einchecken wollte, fiel mir ein kleiner Hund auf, der mich offenbar ganz genau beobachtet hat. Ich wusste jetzt nicht so genau, was mir sein Blick sagen wollte. Will der mich fressen? Oder kuckt der Mitleidig? hm…. der gute Mann hinterm Schreibtisch sagte dann irgendwas zu dem Hund und schon war ich die beste Freundin 😉

Nachdem ich denn wieder frisch war, wollte ich mich auf den Weg in die Stadt machen. Üpsi, war doch ein recht langer Weg. Egal. Ich habe lange genug im Zug gesessen und kann dann ruhig mal die 25 min. laufen. Ich bin dann am Anfang des French Quarter gelandet. Das ganze dort erinnerte mich ehr so an die Schinkenstrasse auf Malle. Eine Kneipe nach der anderen und viele, meist junge Menschen, die nicht mehr so ganz Herr ihrer Sinne waren. Ich bog dann in irgendeine Seitenstrasse ab und landete da, wo ich hin wollte. Zu den Bars wo Live Jazz gespielt wurde. Ich machte ein wenig Kneipenhopping, ehe ich mich wieder auf den Heimweg machte. Doch der ÖV machte mir einen Strich durch die Rechnung. So mit Abfahrzeiten hat man es nicht so in Amerika. Aber sie sind hier immer noch zuverlässiger, als die Deutsche Bahn 🙂 so machte ich mich wieder zu Fuss auf dem Weg zum Hotel.



In den darauf folgenden Tagen bin ich immer wieder gelaufen und aber auch viel mit der StreetCar gefahren. Ein Tagesticket für den ÖV kostete 6$ und war für 24 Stunden gültig. Auch für die Ferry konnte man das Ticket benutzen. Ein Schiff, welches von der einen Seite des Mississippi River auf die andere Seite zum Algiers Point fuhr. Ich hatte mir eine Reservierung für das Steamboat Natchez (Rad-Dampfer-Schiff) gekauft. Eine Jazz Diner Rundfahrt am Abend auf dem Mississippi. Wow… der blanke Wahnsinn. Vor allem dieser Sonnenuntergang. Habe ja schon viele hier gesehen. Aber der war so der Burner…. Und die Liveband war auch richtig gut. Beim Essen wurde man regelrecht verwöhnt. Aber mir ist es immer noch Schleierhaft, warum ich 2 Desserts bekommen habe 🙂 Weiss zwar nicht was es war, aber es war sehr lecker.

Wie fast in jeder Stadt, gibt es auch in New Orleans einen Markt. Der French Markt hat mir sehr gut gefallen. Hier kann man gut stöbern und alles mögliche kaufen, auch Souvenirs. Hier waren sie sogar etwas günstiger, als in der Stadt. Aber auch Essen und Live Musik gehört mit dazu. Wobei ich auf Alligatorfleisch dann doch verzichtet habe 🙂



Natürlich durfte auch der Fussball nicht fehlen. Ich hatte an der Rezeption den guten Mann gefragt, ob er eine Bar kenne, wo man «german soccer» schauen könnte. Er telefonierte rum und hat mir dann 2 Kneipen aufgeschrieben. Ich bin dann in die StreetCar eingestiegen und zu einer der Bar gefahren. Als ich dort ankam und gefragt hatte, kuckte man schon etwas verwirrt. Aber man hatte mir auf dem kleinen TV an der Bar Fussball eingeschalten. War zwar nur Konferenz, aber so konnte ich zumindest das CL Spiel gegen ManCity schauen. Tolles Spiel, leider mit dem schlechteren Ausgang für die Borussia. Aber es hat Hoffnung gemacht. In der 2. Halbzeit lernte ich am Tresen Axel kennen. Der kommt aus Berlin und lebt seit 6 Jahren in New Orleans. Er hat mir dann noch einen Tipp für eine Kneipe gegeben, die morgens schon geöffnet hat. Wow…. da bin ich dann doch mal am Freitag nachmittag kucken gegangen. Es war ein Irish Pub und sehr nett dort. Ich habe gefragt, ob ich am nächsten morgen um 8:30 Uhr das Derby schauen kann. Ja hat er gesagt. Hurra, ich also Samstag morgens um 8:15 da hin. Draussen sassen schon Leute in Trikots (Premier League) und mit Bierbüxen und haben darauf gewartet, dass er endlich auf macht. Als ich dann rein kam, hatte er das Derby schon eingeschalten. Durfte mir sogar aussuchen an welchem TV. Während das Derby lief, wurde an dem ganz grossen TV ein Laptop angeklemmt und dort das Spiel in der One League Sheffield vs. Ipswich Town gezeigt. Es gibt in Nola tatsächlich ein Fanclub von Sheffield. Dies ist ein bunt gemischter Haufen. Während Jamie aus Sheffield kam, war der Rest aus vielen anderen Städten. Zwolle (NL), Baltimore, New Orleans… Aber alle samt waren sehr nett und man konnte sich gut mit ihnen unterhalten. Und sie mochten auch den BVB 😉 man hatte sich über den Derbysieg mit mir gefreut. Hurra, Brussia kann noch Derby.



An meinem letzten Tag habe ich gar nicht mehr so viel gemacht. Bin mit der StreetCar durch die Gegend gedüst und habe noch ein paar letzte Souvenirs eingekauft . Alle die auf Postkarten warten: ich kann sie erst von NY aus verschicken, weil ich es völlig verbasselt habe. Es war auch sehr heiss und extrem schwül. Selbst am Abend oder auch in der Nacht sank die Temperatur nicht unter 85 Fahrenheit (29,5 Grad) So bin ich an meinem letzten Abend in der Gegend von meinem Hotel etwas gelaufen, bevor es dann recht früh ins Bett ging. Am Montag morgen um 9:15am fuhr mein Zug von New Orleans nach New York – 20 Crescent. Die Fahrt dauerte über 30 Stunden und ich dufte wieder im Schlafwagen Platz nehmen. NYC ist nur eine Zwischenstation, denn es geht am Mittwoch morgen weiter zu den Niagarafalls!

New Orleans ist eine sehr tolle Stadt. Sie ist nicht geprägt von mega Wolkenkratzern wie in anderen Städten. Doch hat es seinen unwiederstehlichen Charme. Häuser die grössenteils auf Sockeln gebaut sind, nette und freundliche Menschen und tolles Essen. Durch den Hurrikan Kathrina im August 2005 ist die Stadt immer noch nicht vollständig wieder hergestellt. In den Touristengebieten ja, aber nicht ausserhalb. Die Arbeits- und Wohnungslosen sind auch hier sehr hoch und es gibt viele Zeltstädte. Angeblich sei die Kriminalitätsrate hier sehr hoch. Doch davon konnte ich nichts spüren. Hier habe ich mich sehr sicher gefühlt; sicherer als in L. A. Auf jeden Fall werde ich wiederkommen.

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